Cantus Buranus

Die weltbekannte Carmina Burana vertont von „den Königen der Spielleute“ Corvus Corax

„Originalgetreu“ – das ist ein
schwieriger Begriff, vielleicht auch deshalb, weil er an die Treue gemahnt. Die
Mittelalterband Corvus Corax hat 2005 und 2008 (CANTUS BURANUS II) die
bekannteste Liederhandschrift des Mittelalters neu vertont für Chor, Orchester
und Dudelsäcke: Trinklieder, Liebeslieder, einen Zauberspruch wider den Teufel,
philosophische Texte und immer wieder beißende Sozialkritik – die Bandbreite
der Stücke spiegelt das komplexe und vielseitige Textwerk der Carmina Burana.

Originalgetreu?

Eine Vielzahl von Instrumenten
des Mittelalters wurden originalgetreu rekonstruiert; die Komposition
orientiert sich nicht nur an der originalen Notation der Carmina Burana,
sondern zog auch andere Liederhandschriften der Zeit zu Kreuzvergleichen heran.
Die überaus komplexe und variable Metrik der originalen Texte wurde erstmals in
vollem Umfang berücksichtigt. Mediävisten und Instrumentenbauer arbeiteten Hand
in Hand.

Mit Chor und Symphonieorchester
– der ernsten Musik unserer Zeit, und in den Bühnenkostümen der Band – die
Popkultur der Mittelalterszene wurde CANTUS BURANUS 2005 uraufgeführt: auf dem
Wacken Open Air Festival. Seither hat Cantus Buranus Sportstadien und Szenefestivals,
Theater- und Opernhäuser gleichermaßen gefüllt, begeisterte Metalheads und
Szenegänger, Opernabonnenten und Feuilletonjournalisten.

Das Laute und das Leise, Ernst
und Komik, Weltliches und Geistliches, Unsinn und Erhabenheit – CANTUS BURANUS
versucht nicht, eine durch den Zahn der Zeit für immer verlorene
Aufführungspraxis zu bewahren. Das Projekt fängt im Spiel der Gegensätze die
Vielfalt und die Widersprüche der historischen Vorlage ein, bringt das komplexe
Werk des Mittelalters auf die Bühne der Gegenwart. Nicht originalgetreu – doch
in Treue zum Original.